Vom Farbcode #FFD700, fröhlichen Winterlingen und gelber Ambivalenz
Noch sucht man gern den Sonnenschein
Und nimmt die trocknen Plätzchen ein;
Denn Nachts schleicht an die Gränze doch
Der landesflücht'ge Winter noch.*
Quelle: Anna-Lena Meyer
Es scheint, als würde die Natur im Winterschlaf vor sich hinschlummern und nicht im entferntesten daran denken, sich dem Frühling zuzuwenden, doch der aufmerksame Spaziergänger kann neben dem Schneeglöckchen bereits einen weiteren Frühlingsboten entdecken. Während es für die Krokusse noch einen Ticken zu kalt ist, bahnt sich bereits der Winterling seinen Weg durch die wärmende Laubdecke und ist mit seiner goldgelben Blüte der erste farbenfrohe Gruß der Natur an uns und lässt uns wissen, es dauert nicht mehr lang, bis seine Farbgenossen wie Narzisse und Forsythie ihm folgen werden. Spätestens wenn die Wiesen von Krokussen übersäht sind, ist für viele Frühling, doch der kleine Winterling kündigt für mich bereits das Ende des Winters an und somit widme ich dem kleinen Boten meine Frühjahrsfarbe: Ein sattes Goldgelb.
Auch wenn Gelb bei den meisten Menschen heute durchweg positive Assoziationen auslöst, haftet ihm historisch gesehen eher viel Negatives an.
Gelb war nicht sonderlich beliebt in aristokratischen Kreisen - nur selten findet man Herrscher, deren Lieblingsfarbe Gelb war. Goldgelb war unter den Gelbtönen allerdings die Ausnahme. Während ein Gelb historisch gesehen allgemein eher mit Armut, Neid, Gier und Verrat assoziiert wurde, so wurden goldgelben Farbtönen durchaus positivere Eigenschaften angedichtet. Ein sattes Goldgelb stand für die Ewigkeit als solches. So schmückten sich Herrscher unterschiedlichster Länder und selbst der Vatikan mit einem goldgelben Farbton, der der Blüte des Winterlings gleicht. Alle anderen Gelbtöne wurden allerdings den Ärmsten der Armen zuteil. Doch nicht nur das, Gelb diente als Warnung und wurde somit vielfach auch zur Ausgrenzungssymbolik missbraucht. Ob die Pestflagge, der Judenring im Mittelalter oder auch offiziell als Ketzerfarbe - Gelb war nicht gern gesehen. Der positive Wandel der Farbe Gelb ging nur langsam vonstatten. Über das Skandalgelb des letzten Jahrhunderts hat es Gelb nun aber endlich geschafft höchstens noch als Signalfarbe wahrgenommen zu werden und ansonsten wird sie durchweg positiv angesehen. Dekadenz wird nun maximal dem Goldgelb nachgesagt, aber das auch eher selten.
Quelle: Masureel Wallpaper
Da Gelb heute vor allem als warm, harmonisch und fröhlich wahrgenommen wird, sollte es in der Theorie einfach sein, sie in ein Farbkonzept zu Hause gut zu integrieren. Doch Obacht, wie bereits erwähnt, Gelb ist noch immer eine Signalfarbe, die schnell heraussticht, wenn man sie nicht gut kombiniert. Goldgelb wirkt besonders harmonisch, wenn man den Farbton mit erdigen Tönen mischt. Goldgelb, Beige, Sand, Weiß und Anthrazit sind eine schöne Kombi, wo der Farbton die Harmonie unterstützt. Auch gepaart mit verschiedenen Hölzern, Sandstein und Olivengrün kann Goldgelb in Ruhe seine Strahlkraft aktivieren ohne zu aufregend zu wirken.
Möchte man allerdings lieber etwas mehr „Farbe“ wagen, kann man Goldgelb ganz wunderbar mit rostigen oder/auch dunklen Rottönen kombinieren und sogar Violett als Komplimentärfarbe kann Goldgelb begleiten, wenn man die Farben gekonnt einsetzt. Wenn man sich neben dem Goldgelb für einen weiteren Ton entscheidet, sollte man mit Nudetönen den beiden Farben Raum geben. Soll aber zum Beispiel das Wohnzimmer leuchten, stellt man der Violett-Rot-Goldgelb Kombi eine kühlere Farbe gegenüber.
Quelle: earthborn paints
Wer sich nun ein kleines Winterling-Gesteck ins Haus holt, sollte vielleicht darüber nachdenken, ob es vielleicht noch ein paar goldgelbe Akzente mehr im Haus sein dürfen. Wem die Wände in Gelb zu viel sind, kann ja mit ein paar Vasen, Kissen oder gar einem neuen Teppich starten. Vielleicht dürfen ja sogar neue goldgelbe Vorhänge ein bisschen Frühjahrsfrohsinn ins Haus bringen. Der Winterling freut sich sicher über ein wenig Gesellschaft in der immer noch grauen Jahreszeit.
Wenn Sie generell gerne mehr lesen wollen: Alle 3 Monate schreibe ich hier zu den Themen Design, Umwelt, Reisen oder eben auch zu missverstandenen Farbnuancen im Laufe der Jahrhunderte.
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* Zitat: Aus "Frühling" von Annette von Droste-Hülshoff